BERLIN. Von heute an werden Taxifahrten beobachet - auf Wunsch des Gewerbes. Danach will Verkehrssenator Juergen Klemann (CDU) entscheiden, ob es einen Konzessionsstop geben wird, wie ihn das Gewerbe ebenfalls wuenscht, um die wirtschaftliche Situation der derzeitigen Unternehmen zu verbessern.
Mit hoeheren Preisen koennen die Fahrer ihre Kassen naemlich nicht fuellen: "Die Schmerzgrenze fuer die Kunden ist hier bereits erreicht", sagte der Chef der Taxi-Innung, Wolfgang Wruck.
Der von Klemann gestern festgelegte Beobachtungszeitraum reicht bis zum 31.Juli. Dabei soll festgestellt werden, wie sich die Einsatzzeiten entwickeln, wie viele Kunden an ausgewaehlten Taxistaenden in verschiedenen Jahreszeiten in eine Droschke steigen und wieviel Geld sie in den Kassen lassen. Nach Angaben von Fahrern hat sich ihr Einkommen in den vergangenen Wochen erheblich reduziert. "Die Leute fahren einfach weniger Taxi", klagte ein Fahrer. Privatpersonen seien kaum noch mit einem Taxi unterwegs, und auch in Firmen haetten die meisten Geschaeftsleitungen ihre Mitarbeiter angewiesen, nach Moeglichkeit andere Verkehrsmittel zu benutzen, bestaetigte Wruck. Der Kampf um die Fahrgaeste nimmt dagegen zu. Da rast schon mal ein Fahrer bei Rot ueber eine Kreuzung, um vor den haltenden Kollegen einen Fahrgast aufnehmen zu koennen, der am Strassenrand winkt, wie ein Fahrer schildert. Andere weigerten sich zunehmend, Fahrgaeste fuer eine kurze Strecke einsteigen zu lassen, weil sie lieber aufs Geschaeft mit der langen Fahrt warteten. Am Flughafen Tempelhof sei eine mit Gepaeck beladene Frau mit dem Wunsch einer kurzen Fahrt vom an erster Stelle wartenden Fahrer ans Ende der Taxischlange geschickt worden, wo der Kutscher aber auch nicht wollte. Nur weil der erste inzwischen weggefahren war, hatte die Frau dann im dritten Versuch Glueck. Nach der Rechtslage muessen die Fahrer jede Fahrt antreten, auch wenn sie nur kurz ist. Die Unternehmen wollen, um wieder mehr Umsatz zu machen, die Zahl der Taxis begrenzen. Derzeit geben nach Wrucks Angaben zwar viele auf, doch auf der anderen Seite draengen neue auf den Markt. Rund 4000 Unternehmen haben knapp 7000 Taxis auf der Strasse. Nach Wrucks Angaben sind aber 80 bis 85 Prozent Alleinfahrer, die oft sechs Tage in der Woche jeweils 12 bis 14 Stunden hinter dem Steuer saessen. Nach dem Personenbefoerderungsgesetz sollten die Fahrer aber in einer "angemessenen Zeit" einen "bescheidenen Gewinn" erzielen.
Ein Konzessionsstop ist nach Klemanns Angaben aber nur zulaessig, wenn sonst die Funktionsfaehigkeit des gesamten Taxengewerbes gefaehrdet waere. Eine wirtschaftlich schlechte Lage reiche nicht aus.
Die Zukunft sieht Wruck vor allem in Sammelfahrten. Am Experiment mit solchen
Fahrten im Auftrag der Bahn beteiligt sich Berlin aber nicht. Mehr erhofft
Wruck sich noch vom Umzug der Regierung. Spitzenpolitiker, -beamte und
Lobbyisten sollen dann in besondere "Business-Taxis" gelockt werden - mit
Telefon- und Faxanschluss sowie einer Computer-Steckdose fuer die Arbeit
unterwegs.