Unglückliche Tarifdiskussion

Was ist das Schlimmste bei jeder Tarifänderung? Wie immer sind es die in den Tageszeitungen erscheinenden Artikel "Taxifahren wird teurer", die regelmäßig zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen führen. In der Vergangenheit wurde immer wieder versucht, diese unangenehme Begleiterscheinung durch Herausstellen der für den Kunden günstigen Tarifstufen wie z.B. die Degression abzuschwächen.

Wir alle wissen, daß vor der Einführung des Euro zum Jahr 2002 spätestens ein neuer Tarif in den Uhren sein muß. Wie dieser Tarif dann aussehen soll, darüber beraten verschiedene Gremien und Verbände bereits seit längerem. Dabei gehen die Vorstellungen des Taxiverbandes in eine andere Richtung als die des Innungsvereins. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht. Besonders ärgerlich ist es daher, daß der Innungsverein mit seinen Vorstellungen ohne jede Absprache an die Presse geht und stolz verkünden läßt "Taxifahren wird teurer". Gierig wurde diese Meldung von den Tageszeitungen aufgenommen und groß herausgestellt. Hier hat der Innungsverein – ohne jede Notwendigkeit – dem Gewerbe schweren Schaden zugefügt. In jedem privat organisierten Unternehmen hätte so ein Verhalten personelle Konsequenzen gehabt. Nun ja, daß beim Innungsverein die Uhren anders gehen als in der Wirtschaft, das ist ja schon länger bekannt.

Auch wenn wir uns als Zentrale nicht in die pfennigweise zu gestaltenden Kilometertarife einmischen wollen, so möchten wir dennoch die Verantwortlichen bitten, folgende Punkte bei der Tarifgestaltung zu beachten:

  1. Nach einer spürbaren Erholung des Taxigeschäfts in Berlin halten wir jede verfrühte Diskussion über Preiserhöhungen in der Öffentlichkeit für schädlich.
  2. Seit Jahrzehnten führen Preiserhöhungen zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen bei Gleichbleiben der Gesamtumsätze einer Schicht. Ärgerlicher Nebeneffekt: Die Anzahl der Fahrgäste insgesamt ist Rückläufig, dementsprechend auch ist der Marktanteil der Taxibeförderungen rückläufig. Das Gewerbe fährt in die Bedeutungslosigkeit.
  3. Stärke des Taxiverkehrs ist die Tür zu Tür Beförderung der Fahrgäste. Dafür sind in der Regel Taxibestellungen notwendig, die mit einer erhöhten Grundgebühr von DM 6,- den Fahrgästen vergällt werden. Eine einheitliche Grundgebühr – egal ob bei Bestellungen oder beim Einsteigen – halten wir für sinnvoller.
  4. Eine Absenkung der verkehrsbedingten Wartezeit bei Ausgleich durch den Kilometerpreis halten wir zwar für sinnvoll, allerdings nicht in der recht extremen Form, wie vom Innungsverein vorgeschlagen. So könnten Kilometerpreise um DM 3,- bei einem Stillstand der Wartezeit bis 3 Minuten zu einem starken Rückgang der Nachtfahrgäste führen, die ja üblicherweise nicht vom Stau betroffen sind; gleichzeitig könnten Fahrten am Tage, die staubedingt sehr lange dauern, unangemessen billig werden. Hier ist genaues Rechnen angesagt.

Bis zu einem tragfähigen Tarifvorschlag wird noch viel Wasser die Spree hinunterfließen. Wir hoffen, daß die Gewerbeverbände beim nächsten mal eine glücklichere Hand bei dieser Diskussion haben.

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