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Liebe Kollegen,

am 2. Novemberwochenende fand in Köln die Europäische Taximesse 2002 statt. Breiten Raum nahmen dabei die verschiedenen Automobilhersteller ein, die ihre neuen Modelle präsentierten. Diese werden in den Taxizeitschriften an anderer Stelle meist ausführlich vorgestellt. Neben Taxizubehörherstellern bildeten die Anbieter von Taxi-vermittlungssystemen einen weiteren Schwerpunkt. Allerdings fehlten einige Firmen, die noch vor zwei Jahren mit ihren Produkten dabei waren. Die meist kleinen Firmen sind erloschen, insolvent oder schlossen ihre deutsche Niederlassung. Von den etablierten Anbietern, wie z.B. der Marktführer in Deutschland, der Firma Heedfeld, gibt es nur noch etwa eine handvoll. Bei den etablierten Herstellern gab es

neben Erweiterungen der Softwarefunktionen die Anbindung an das Display der neuen E-Klasse als hauptsächliche Neuerung zu sehen. Im Trend scheint auch die online-Abrechnung von Kredit- und ec-Karten zu liegen. Wie ihr ja wißt, kam die Idee der online-Abrechnung vom Würfelfunk und wurde vor Jahren gemeinsam mit der Firma Heedfeld realisiert - über Betriebsfunk der Taxen war das weltweit einmalig. Allerdings war diese Entwicklung zum Zeitpunkt der Messe bei den anderen Anbietern noch nicht funktionsfähig. Dennoch werden wohl die meisten Taxiunternehmer in der Zukunft externe Geräte zur Kartenabrechnung nicht mehr benötigen.

Mythos Vollautomatik

Bei den angebotenen Taxivermittlungssystemen lag der Schwerpunkt erwartungsgemäß auf der vollautomatischen Vermittlung. Allerdings hat das Stichwort Vollautomatik mittlerweile einen bitteren Beigeschmack bekommen. Während in früheren Jahren die automatische Vermittlung als herausragende Innovation gesehen wurde, treten heute die Zweifel immer mehr in den Vordergrund. Technisch betrachtet bedienen sich die automatischen Vermittlungssysteme nach wie vor der analogen Betriebsfunktechnik wie schon vor 20 Jahren. Einzige vermittlungsrelevante Neuerung in den 20 Jahren war die Nutzung des GPS zur Standortbestimmung, die die manuelle Standorteingabe bei einigen Systemen ersetzte. Die Nutzung von GPS für den Taxinotruf hatten bereits damals Würfelfunk und Spreefunk gemeinsam als erste Zentralen eingeführt. Wenn man bedenkt, daß in der selben Zeit der Handy-Standard GSM entwickelt und weiterentwickelt wurde, mit WAP, GPRS, mobilem Internet, UMTS usw. noch erweitert wurde und wird, eigentlich etwas wenig. So hat es in den letzten 2 Jahren bei der Einführung der Vollautomatik bei immer mehr Zentralen erheblichen Ärger gegeben. Zahlreiche Vorstände und Geschäftsführer mußten ihren Hut nehmen, in einigen Städten haben sich spontan Konkurrenzzentralen mit "freundlichem Sprechfunk" gegründet. Was nun, fragen sich immer mehr Entscheidungsträger aus dem Taxigewerbe. Der blinden Euphorie folgt nun endlich ein sinnvolles Abwägen zwischen Vor- und Nachteilen der verschiedenen Systeme. Datenfunksysteme kauft man nicht "von der Stange". Die Wahl des Systems und der Vermittlungstechnik muß an die Erfordernisse der Zentrale und der Bedingungen des Ortes angepaßt sein. Vollautomatische Systeme sind speziell in kleineren Städten bei Monopolzentralen sinnvoll, die eine hohe Funkauftragsquote haben und wenig Einsteiger. Teilweise werden solche Zentralen auch ohne Personal betrieben. Für Ballungszentren wie Berlin halten wir solche Systeme jedoch für weniger sinnvoll. So ist es bei der Vollautomatik fast unmöglich, einem vorausfahrenden Kollegen zu sagen, daß irgendwo Fahrgäste stehen oder ein Rücklicht nicht funktioniert. Wenn man die Konzessionsnummer nicht erkennt, nützt auch die "Sprechanforderung" nichts. Eine Übersicht über die Auftragslage und die Nachfrageschwerpunkte hört man auch nicht. Das führt zu einer gewissen Orientierungslosigkeit. Die angebotenen Halteplatz- und Statistikübersichten haben praktisch keinen Informotionswert, da nur eine sehr kleine Teilflotte angezeigt wird.

Aber auch wenn wir die vollautomatische Vermittlung in Berlin derzeit für nicht sinnvoll halten, so bieten doch die angebotenen Funkanlagen Möglichkeiten, die man auch mit der Halbautomatik nutzen kann. Von Straßenhinweisen über online-Informationen bis zur bargeldlosen Zahlung mit Fahreranmeldung und vor allem der Notruffunktion reicht hier die Produktpalette, die wir nutzen und ständig erweitern. Auch kann eine kurzzeitige vollautomatische Vermittlung von Teilflotten, wie z.B. den Bundestagswagen sinnvoll sein, da diese Aufträge von den anderen Wagen im Regelfall nicht gefahren werden können.

Fazit:

Automatische Systeme sind für Orte mit hohem Funkanteil konzipiert, wo neutrale Nachfrage keine Rolle spielt. Die Systeme setzen voraus, daß alle Wagen eines Ortes an diesem System teilnehmen. Dies ist bei 4 Zentralen in Berlin nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Die Halbautomatik beim Würfelfunk ist die schnellste Vermittlungsmöglichkeit und leistet alle Vorteile, die die Vollautomatik bieten soll, ohne die Nachteile wie z.B. das Informationsdefizit des stummen Funkers in Kauf nehmen zu müssen. Letztlich aber entscheiden die Fahrer, wie sie vermittelt werden möchten. Allerdings scheint die Nachfrage nach Automatik in Berlin eher gering zu sein und auf niedrigem Niveau zu stagnieren.

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